03.09.26 – Zweite „Child & Safety Conference“ in Göteborg
Axkid: Kindersicherheit neu denken
Wie können Kinder im Auto noch besser geschützt werden? Dieser Frage widmete sich die internationale „Child & Safety Conference“ des schwedischen Kindersitzherstellers Axkid im World of Volvo in Göteborg. Vor Ort war auch baby&junior-Chefredakteurin Katja Keienburg, die die wichtigsten Erkenntnisse der Konferenz mitbrachte.
Im Mittelpunkt standen neue Forschungsergebnisse zur Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr, die Bedeutung des rückwärtsgerichteten Fahrens sowie die Verantwortung der gesamten Branche – von der Produktentwicklung bis hin zur Aufklärung von Eltern. Ein zentrales Thema der Konferenz war der schwindende Wissensstand vieler Eltern über aktuelle Empfehlungen zur Kindersicherheit im Auto. Während Schweden seit Jahrzehnten als Vorreiter gilt und die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder seit den 1960er- und 1970er-Jahren um 92 % senken konnte, zeigen aktuelle Daten eine besorgniserregende Entwicklung. „Es ist eine unglaubliche Errungenschaft, aber wir müssen bedenken, dass neue Elterngenerationen Zugang zu diesem Wissen brauchen. Wir dürfen das Bewusstsein dafür nicht als selbstverständlich ansehen. Kontinuierliche Aufklärung ist entscheidend, wenn wir die Sicherheitsführerschaft Schwedens langfristig erhalten wollen“, erklärte Anna Carlsson, Forscherin bei Chalmers Industriteknik.
Wissenslücken bei Eltern wachsen
Eine 2025 von Axkid und Volvia durchgeführte Befragung verdeutlicht die Problematik: 15 % der schwedischen Eltern mit kleinen Kindern kennen die aktuellen Empfehlungen zu Kindersitzen nicht mehr; das sind dreimal so viele wie noch 2020. Lediglich 38 % wissen, ab welchem Alter Kinder frühestens vorwärtsgerichtet mitfahren sollten. Diese Entwicklung sehen die Experten mit Sorge, denn gleichzeitig bestätigen neue Unfallanalysen die enorme Schutzwirkung rückwärtsgerichteter Kindersitze.
Rückwärtsfahren rettet Leben
Zu den wichtigsten Vorträgen gehörte die Präsentation neuer Unfallforschung durch Maria Klingegård, Verkehrssicherheitsforscherin bei Folksam. Gemeinsam mit Chalmers Industriteknik und Volvo Cars wurden tödliche Verkehrsunfälle mit Kindern unter 15 Jahren in Schweden aus den Jahren 1992 bis 2024 ausgewertet. „Wir sehen, dass ein alarmierend hoher Anteil der Kinder, die bei tödlichen Verkehrsunfällen ums Leben kamen, entweder überhaupt nicht gesichert oder nicht rückwärtsgerichtet unterwegs war. Unsere Analyse zeigt, dass etwa die Hälfte der verstorbenen Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren hätte überleben können, wenn sie rückwärtsgerichtet transportiert worden wären. Kinder so lange wie möglich rückwärtsgerichtet fahren zu lassen, bleibt der wichtigste Faktor für ihre Sicherheit im Fahrzeug“, so Klingegård. Axkid empfiehlt deshalb, Kinder idealerweise bis zum Alter von sieben Jahren rückwärtsgerichtet fahren zu lassen. Anschließend sollten sie bis etwa zum 10. bis 12. Lebensjahr eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne oder einen geeigneten Kindersitz nutzen, da das Becken erst dann ausreichend entwickelt ist, um den Sicherheitsgurt optimal zu führen.
Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe
Die Konferenz machte dabei deutlich, dass Kindersicherheit nicht allein Aufgabe der Hersteller ist. Forschung, Gesundheitswesen, Automobilindustrie und Handel müssten gemeinsam daran arbeiten, Eltern besser zu informieren. „Wir wollen Verantwortung für die Sicherheit von Kindern im gesamten Ökosystem übernehmen. Es reicht nicht aus, sich nur auf unsere eigene Produktkategorie zu konzentrieren – wir brauchen eine umfassendere Perspektive. Indem wir führende Experten und Forscher aus der gesamten Branche zusammenbringen, können wir Wissen teilen und unsere gemeinsamen Anstrengungen zum Schutz von Kindern im Straßenverkehr stärken“, sagte Anton Wall, Vice President und Commercial Director von Axkid.
Wie sich Sicherheitswissen in andere Bereiche übertragen lässt, zeigte ein Pilotprojekt im Rettungsdienst. Notfallsanitäter Andreas Ericson berichtete über eine neue Tragenlösung für Kinder von null bis drei Jahren im Krankenwagen. „Es ist ein erhebliches Risiko für die Verkehrssicherheit, wenn wir mit Blaulicht fahren und ein Kind nur unzureichend gesichert ist. Zwar sind Einsatzfahrzeuge von vielen üblichen Verkehrsregeln ausgenommen, doch das darf niemals auf Kosten des Lebens eines Kindes geschehen“, betont Ericson. Axkid sieht darin ein Beispiel, wie Know-how zum Rückwärtsfahren neue Anwendungsfelder findet.
Nachhaltigkeit wird Teil der Sicherheitsstrategie
Neben der Konferenz veröffentlichte Axkid seinen Sustainability Report 2025, der zeigt, wie das Unternehmen Nachhaltigkeit zunehmend als Bestandteil seiner Unternehmensstrategie versteht. Im Fokus stehen mehr Transparenz, belastbare Daten und langfristige Verbesserungen entlang der gesamten Lieferkette. Erstmals veröffentlichte Axkid Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations, EPDs) für zentrale Produktplattformen. Zudem wurden die Treibhausgasemissionen nach den Vorgaben des Greenhouse Gas Protocol vollständig bilanziert. Für den Nachhaltigkeitsbericht 2024 erhielt das Unternehmen bereits eine Excellence Rating beim ESG Transparency Award.
„Sicherheit stand bei Axkid schon immer im Mittelpunkt – und diese Denkweise prägt auch unseren Ansatz zur Nachhaltigkeit. Für uns bedeutet Fortschritt nicht, die Geschichte schöner klingen zu lassen, sondern Auswirkungen, Zielkonflikte und Grenzen transparenter zu machen“, erklärt CEO Daniel Johansson. Mit dem Unternehmenswachstum stiegen 2025 zwar die absoluten Emissionen, vor allem durch höhere Produktionsmengen und Transporte. Gleichzeitig sank jedoch die Emissionsintensität im Verhältnis zum Umsatz – ein Zeichen dafür, dass das Wachstum effizienter erfolgt. Rund 80 % der Lieferantenausgaben wurden inzwischen durch BSCI-Audits überprüft. Parallel entwickelt Axkid langlebigere Produkte sowie zirkuläre Angebote wie Axkid Care und bereitet Second-Hand-Konzepte vor.
Zu den wichtigsten Kennzahlen des Nachhaltigkeitsberichts zählen 471.033 Kinder, die in den vergangenen zehn Jahren in verlängert rückwärtsgerichteten Axkid-Sitzen unterwegs waren (+11 %), ein Umsatzwachstum von 22 % sowie ein steigender Anteil zirkulärer Geschäftsmodelle. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen sichere Reisen für die nächste Generation ermöglichen und gleichzeitig Schritt für Schritt ein nachhaltigeres Unternehmen aufbauen. Das bedeutet bessere Daten, bessere Entscheidungen und kontinuierliche Verbesserungen bei Produkten, Prozessen und entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette“, so Daniel Johansson.
Voller Stolz präsentierte er deshalb eine Neuheit im Axkid-Portfolio, den „Axkid Up Core“ für Kinder ab Geburt bis zu zwölf Jahren. Nach mehr als zehn Jahren Entwicklungsarbeit wird der Kindersitz auf der Kind + Jugend einem internationalen Publikum vorgestellt.




