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09.08.13 – Nachgefragt

Augmented Shopping

Auch in unserer Branche verschwimmen die Grenzen zwischen On- und Offline-Welt immer mehr.„Augmented Shopping“ findet dort statt, wo reale Produkte und Medieninhalte mit Hilfe eines Smartphone oder einer Erkennungssoftware mit verkaufsrelevanten Informationen versehen werden.

Wir haben die Geschäftsführer von BabyOne und der baby&family GmbH gefragt, welche Möglichkeiten des vergrößerten Verkaufsraumes heute und zukünftig in Frage kommen.

Wilhelm Weischer

Wilhelm Weischer

 
Heinz-Werner Mangelmann

Heinz-Werner Mangelmann

 

Rund 23 % der deutschen Mode-Fans mit hoher Affinität zu kanalübergreifender Shopping-Erfahrung werden zu den „Digital Divas“ gezählt. Dies ergab eine Studie der University of Arizona und des IT-Dienstleisters Demandware. Erstaunlich an den digitalen Diven ist, dass ihre Kaufkraft 68 % aller Ausgaben für Mode entspricht, obwohl sie nur etwa ein Fünftel aller Modekäufer repräsentieren. Außerdem nutzen sie beim Shoppen doppelt so häufig das Smartphone als der Durchschnitt und beeinflussen fünfmal häufiger als andere ihre Familie, Freunde und Kollegen, indem sie Likes und Dislikes mit ihnen teilen. Aufgrund dieser kaufkräftigen, iPhone-erprobten Generation sollten sich Händler zukünftig für responsive Verkaufsregale, iLoyalty, Indoor Mapping und interaktives Window-Shopping interessieren.

Responsive Verkaufsregale stehen im Zeichen des "Extended Packaging".

Mittels Augmented Reality (AR) wird beispielsweise ein Lego-Bausatz am POS dreidimensional erlebbar gemacht, ohne dass die Verpackung geöffnet werden muss. Auch QR-Codes auf Produkten (Best Buy) sowie App-basierte Selbstzahlerkassen (Scan It!) sind Systeme, mit denen bereits gearbeitet wird und die sich nach Ansicht der Experten vom Zukunftsinstitut mit Sitz in Frankfurt a. M. weiter durchsetzen werden.

Die Realität sieht (noch) anders aus: BabyOne-Geschäftsführer Wilhelm Weischer kann sich Selbstzahler-Kassen zur Zeit "nur in Kombination mit herkömmlichen Kassenlösungen vorstellen, da uns der Kontakt zum Kunden sehr wichtig ist und ein bedeutendes Unterscheidungsmerkmal zum Internet darstellt."

Auch Heinz-Werner Mangelmann, Geschäftsführer der baby&family GmbH by EK/servicegroup, ist skeptisch: "Die Sinnhaftigkeit der Einführung derartiger technisch komplexer, zusätzlicher Kassensysteme bei unseren Händlern können wir derzeit nicht erkennen, da unsere Konzepte auf hohe persönliche Beratungsqualität und Service setzen."

Generell könnte das Smartphone zum zentralen Scharnier der Kundenbeziehung werden. Mit der NuBON-App ist es beispielsweise heute schon möglich, mobil zu bezahlen, Kassenzettel sowie Kundenkarten digital zu verwalten und weitere Services zu nutzen. Heinz-Werner Mangelmann ist vom Mobile Paymentüberzeugt: "Die Entwicklung und zeitnahe Implementierung derartiger Apps bei unseren interessierten Händlern ist fester Bestandteil unserer aktuellen Planung in der IT sowie bei den Konzepten HappyBaby und proBaby."

Zur Orientierung in den Verkaufsräumen gibt es bereits verschiedene Anwendungen für Innenraumkarten. Die Fastmall-App etwa erleichtert Nutzern die Orientierung und Navigation in Shopping-Centern und liefert in den USA sogenannte "Mall Deals" z. B. Sonderangebote der Shops aufs Handy. Nützlich sind auch die Rolltreppensuche oder die Parkplatz-Merkfunktion. Bei BabyOne ist eine solche App denkbar: "So können wir auf einfache Weise sicherstellen, dass die Kunden über aktuelle Angebote und Aktionen informiert sind", meint Wilhelm Weischer.

Ähnlich Service-orientiert denkt auch Heinz-Werner Mangelmann: "Was wir derzeit prüfen und uns sehr gut vorstellen können, ist die individuelle Erkennung und Begrüßung des registrierten Kunden über die NFC-Nahfeldortung inklusive Anzeige von aktuellen Angeboten, wenn dieser das Geschäft betritt." Die Near Field Communication (NFC) ist eine drahtlose Übertragungstechnik, die zum kontaktlosen Datenaustausch zwischen Geräten mit einer Distanz von bis zu 4 cm dienen soll.

QR-Codes ebnen den Weg zum interaktiven Window-Shopping. Mit deren Hilfe wird aus einem herkömmlichen Schaufenster ein Online-Shop, der rund um die Uhr geöffnet hat. So können direkt am Ladenfenster lebensgroße Models per Touchscreen mit Produkten des Online-Shops "eingekleidet" werden. Nach entsprechendem Login wird die Kleidung in den Warenkorb des Mobiltelefons gelegt.

Laut Heinz-Werner Mangelmann komme diese Technik bei Händlern in anderen Geschäftsfeldern der EK/servicegroup schon zum Einsatz. In den HappyBaby-Filialen seien die Textilkunden allerdings Kinder, sodass diese Shopping-Option nicht vorstellbar sei. Für Wilhelm Weischer ist dies "nur eine von vielen Möglichkeiten, die wir in der Zukunft nutzen werden. Letztendlich sind wir der Meinung, dass sich das Informations-, Kommunikations- und Kaufverhalten noch nie so schnell geändert hat, wie das zur Zeit der Fall ist, und dass diese Entwicklungen eine große Chance für den Handel bedeuten." [mehr]