07.08.26 – Interview mit Hebamme Wynona Wind

Schnuller, Flasche und Stillen ohne Verunsicherung

Saugverwirrung, Schnuller-Fragen und Unsicherheit beim Stillen: Warum weniger Druck oft der beste Weg ist und wie du dein Baby bedürfnisorientiert begleitest, erklärt Hebamme Wynona Wind in unserem Interview.

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Was bei der Schnullerentwöhnung wirklich zählt, ist ein individueller, entspannter Umgang. © Bibs

 
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Hebamme Wynona Wind © privat

 

Hey Baby: Warum löst das Thema Saugverwirrung bei Eltern so viel Unsicherheit aus?

Wynona Wind: Ich denke, viele Eltern sind bei dem Thema Saugverwirrung verunsichert, weil es dazu sehr viele unterschiedliche Meinungen gibt. Mir ist es wichtig, dass man einen gesunden Umgang mit Schnuller und Flasche findet. Wenn beides in Maßen und mit Bedacht eingesetzt wird, habe ich in den Familien, die ich betreue, bislang keine Probleme im Hinblick auf eine Saugverwirrung erlebt.

Hey Baby: Wie finden Familien einen entspannten Umgang mit Brust, Flasche und Schnuller, ohne ständig Angst zu haben, etwas falsch zu machen?

Wynona Wind: Kommunikation ist in jeder Familie sehr wichtig, denn so findet man am besten einen individuellen Weg, der zu den eigenen Bedürfnissen passt. Stillen steht dabei für viele Familien im Vordergrund. Gleichzeitig können eine Flasche oder auch ein Schnuller unterstützend eingesetzt werden. Hilfreich kann es sein, darauf zu achten, dass Schnuller und Flaschenaufsatz ähnlich geformt sind, damit der Wechsel für das Kind möglichst einfach ist. Mit Unterstützung durch die Flasche entsteht im Alltag oft auch mehr Flexibilität und die stillende Mutter kann entlastet werden.

Hey Baby: Viele Eltern sorgen sich, dass ein Schnuller zu Zahn- oder Kieferfehlstellungen führen könnte. Wie ordnest du diese Angst ein?

Wynona Wind: Wird ein Schnuller dauerhaft und über das dritte Lebensjahr hinaus genutzt, kann es tatsächlich zu Zahn- und Kieferfehlstellungen kommen. Deshalb ist es wichtig, ihn mit Bedacht einzusetzen, zum Beispiel zum Einschlafen oder zur Beruhigung. Idealerweise sollte die Schnullerzeit zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr beendet werden, weil sich Kiefer und Zähne in diesem Alter häufig noch gut entwickeln beziehungsweise regulieren können. Wenn diese Punkte beachtet werden, ist die Nutzung eines Schnullers in Bezug auf Zahn- und Kieferentwicklung in der Regel unproblematisch.

Hey Baby: Worauf können Eltern beim Schnuller achten, wenn sie die natürliche Zahn- und Kieferentwicklung ihres Kindes bestmöglich unterstützen möchten?

Wynona Wind: Wichtig ist vor allem, auf die Häufigkeit der Nutzung zu achten. Ein Schnuller kann zum Beispiel beim Einschlafen oder zur Beruhigung sehr hilfreich sein. Sobald das Kind jedoch entspannt ist oder fest schläft, sollte er idealerweise wieder herausgenommen werden – oft spucken Babys ihn dann ohnehin von selbst aus. Denn je gezielter und bewusster der Schnuller eingesetzt wird, desto eher lässt sich vermeiden, dass die Zahn- und Kieferentwicklung unnötig beeinflusst wird. Entscheidend ist, mit der Zeit ein gutes Gefühl dafür zu entwickeln, wann der Schnuller wirklich gebraucht wird und wann sich ein Kind auch auf andere Weise beruhigen lässt. Zusätzlich kann ein Schnuller aus Naturkautschuk sinnvoll sein, da er meist weicher ist und sich gut an den Gaumen anpasst, was besonders für Neugeborene angenehm sein kann.

Hey Baby: Wann und wie gelingt es am besten, den Schnuller liebevoll abzugewöhnen, ohne dass daraus Stress für die Familie entsteht?

Wynona Wind: Das Abgewöhnen des Schnullers ist ein individueller Lernprozess und bedeutet für jedes Kind eine Umstellung. Bei manchen gelingt es schnell, bei anderen dauert es etwas länger – und das ist völlig in Ordnung. Idealerweise wird der Schnuller bis spätestens zum dritten Lebensjahr abgewöhnt. In diesem Alter können Kinder meist schon gut einbezogen und auf die Veränderung vorbereitet werden. Hilfreich kann es sein, den Abschied bewusst zu gestalten, zum Beispiel mit einem Ritual wie der „Schnullerfee“ oder einem Schnullerbaum. Dabei geben Kinder ihren Schnuller ab und erhalten im Gegenzug eine kleine Belohnung, etwa ein Spielzeug, das sie sich schon länger wünschen.