06.10.26 – Mother Hood e.V.
Elterngeldreform: Was Eltern jetzt wissen sollten
Ein diskutierter Gesetzentwurf sieht weniger Elterngeldmonate und Änderungen beim Mutterschutz für Stillende vor. Die Elternorganisation Mother Hood warnt vor finanziellen Lücken und erklärt, was sich aus ihrer Sicht ändern sollte.
Wer ein Baby bekommt, braucht Zeit für die neue Lebenssituation und finanzielle Sicherheit. Beides könnte durch die geplante Elterngeldreform unter Druck geraten. So bewertet es Mother Hood e.V., eine Elternorganisation, die sich für eine bessere Versorgung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett einsetzt. Grundlage ihrer Kritik ist der im September 2026 diskutierte Referentenentwurf zu Elterngeld und Mutterschutz. Beschlossen ist die Reform damit noch nicht.
Weniger Monate, weniger Spielraum?
Nach dem Entwurf sollen Eltern künftig insgesamt zwölf statt bislang bis zu 14 Monatsbeträge Basiselterngeld erhalten. In Paarfamilien sieht die geplante 3-6-3-Regelung zudem vor, dass jedem Elternteil drei Monate vorbehalten sind. Ein Elternteil könnte dann höchstens neun Monatsbeträge beziehen – statt bisher bis zu zwölf. Werden die reservierten Monate nicht genommen, können sie verfallen. Das kann sich auf die Zeit auswirken, in der Familien finanziell unterstützt werden. Beziehen beide Eltern beispielsweise zwei Monate gleichzeitig Elterngeld, kann die Unterstützung deutlich vor dem ersten Geburtstag des Kindes enden. Zwar besteht ab dem ersten Geburtstag ein Anspruch auf Kindertagesbetreuung. Doch ein passender Platz ist nicht überall verfügbar – und selbst mit Platz braucht ein Kind meist Zeit für die Eingewöhnung. Mother Hood kritisiert deshalb, dass der Gesamtanspruch sinken soll, obwohl der Betreuungsbedarf im ersten Lebensjahr bestehen bleibt. „Sorgearbeit lässt sich nicht wegkürzen. Wenn der Staat den Elterngeldanspruch reduziert, verschwindet der Betreuungsbedarf eines Babys nicht. Die entstehende Lücke müssen Familien selbst auffangen. Dieser Druck trifft in der Realität besonders häufig Mütter“, sagt Katharina Desery von Mother Hood e.V.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will die Sparpläne nun offenbar noch einmal überprüfen lassen. Die Koalition habe sich noch auf kein Modell festgelegt; auch eine moderatere Reform mit geringeren Einsparungen werde geprüft. Das berichtete WELT am 30. September. Prien hält auch die vorgesehene Aufteilung für überprüfungsbedürftig. „Die Verkürzung auf zwölf Monate bei einer anderen Aufteilung der Partnerschaftsmonate ist für viele Familien nur schwer zu realisieren“, sagte sie laut WELT. Noch beraten die Koalitionspartner über verschiedene Modelle. Eine endgültige Entscheidung steht also aus.
Gemeinsame Zeit nach der Geburt
Positiv bewertet der Verein, dass Eltern künftig wieder länger als einen Monat gleichzeitig Elterngeld beziehen können. Gerade direkt nach der Geburt könne gemeinsame Zeit wichtig sein: Die Mutter erholt sich von Schwangerschaft und Geburt, während beide Eltern sich auf den Alltag mit dem Baby einstellen. „Partnerschaftlichkeit beginnt nicht erst dann, wenn ein Vater allein die Betreuung übernimmt“, sagt Desery. „Gerade im Wochenbett brauchen Mütter Unterstützung und Entlastung. Diese gemeinsame Zeit ist kein Urlaub, sondern gehört zu einer guten Versorgung nach der Geburt.“
Mother Hood möchte diese Unterstützung nicht gegen eine stärkere Beteiligung des zweiten Elternteils ausgespielt sehen. Der Verein fordert, die bis zu 14 Monatsbeträge Basiselterngeld zu erhalten und weiterhin flexibel aufzuteilen. Zusätzlich solle es eine gesetzlich geregelte, bezahlte Freistellung von vier Wochen ab der Geburt geben – eine sogenannte Familienstartzeit.
Mutterschutz beim Stillen
Kritik gibt es auch an den geplanten Änderungen beim Mutterschutz. Bestimmte Arbeitszeit-Schutzregeln für stillende Beschäftigte – etwa bei Mehrarbeit sowie Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit – sollen dem Entwurf zufolge grundsätzlich nur in den ersten zwölf Monaten nach der Geburt gelten. Außerdem könnte bei einer Beschäftigung zwischen 20 und 22 Uhr die behördliche Prüfung entfallen. Mother Hood warnt, dass solche Änderungen das Weiterstillen erschweren könnten. Stillen lasse sich nicht beliebig unterbrechen; zugleich dürften Schutz und passende Arbeitsbedingungen nicht davon abhängen, wie gut eine Mitarbeiterin ihre Interessen gegenüber dem Arbeitgeber durchsetzen kann.
Der Verein fordert deshalb wirksamen Mutterschutz auch nach dem ersten Lebensjahr des Kindes. Die Forderungen von Mother Hood richten sich an die weitere Ausgestaltung der Reform. Für Familien bleibt entscheidend, welche Regelungen am Ende tatsächlich beschlossen werden.




