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15.01.18 – Zukunft des Einkaufens

Händler zu langsam?

Die Digitalisierung ist für die meisten Händler ein wirklich dickes Brett, das sie bohren müssen. Doch eben auch nicht das Einzige. Dennoch ist heute keine Zeit mehr, abzuwarten und die Hände in den Schoß zu legen, meint unsere Gastautorin Heike Scholz.

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Heike Scholz © Heike Scholz

 

Eine Bitkom-Befragung von 500 stationären und Online-Händlern hat ergeben, dass die Digitalisierung für 66 % die derzeit größte Herausforderung darstellt. Insgesamt sind die Ergebnisse eher traurig. 77 % der Händler sehen sich selbst als Nachzügler in Sachen Digitalisierung. 16 % betrachten sich als Vorreiter und 3 % gehen davon aus, dass sie den Anschluss verpasst haben. Es zeigte sich denn auch, dass jeder dritte stationäre Händler keinen Internetauftritt besitzt. 65 % bespielen eines Online- und Offline-Kanal – und 28 % haben weiterhin nur ein stationäres Standbein. 
  
Schwache Investitionsneigung 
  
Bei den Investitionen sind die Händler sehr zögerlich. 76 % aller Befragten gaben 2016 weniger als 10 % des gesamten Jahresumsatzes für die Digitalisierung aus. Auch bei ihren Planungen für das kommende Jahr wollen die Händler keine großen Sprünge machen. Beim Einsatz digitaler Anwendungen ist die klassische Bürosoftware inzwischen Standard: Zwei Drittel der Händler verschicken ihre Rechnungen elektronisch, je 49 % haben ein Warenwirtschaftssystem in Echtzeit. Nur bei knapp jedem vierten Unternehmen aber wird der Einsatz smarterer Software wie Cloud Computing oder Big Data Analytics diskutiert oder ist geplant. Als größten Vorteil der Digitalisierung sehen die Händler vor allem, dass ihr Alltagsgeschäft vereinfacht wird. Abschreckend empfinden sie vor allem den hohen Aufwand für Datenschutz (86 %) und die Investitionskosten (81 %). 
  
Rosige Zukunft ... 
  
Blicken die Händler ins Jahr 2030, sind sie aber dennoch optimistisch: Rund 65 % meinen, dass das Bezahlen beim Verlassen des Geschäfts automatisch abläuft. Mehr als jeder Zweite (53 %) denkt, dass Waren bis dahin im stationären Handel auch über Virtual Reality erlebbar sein werden. 61 % sehen Läden dann in der Rolle eines Showrooms, in dem Produkte getestet und anschließend im Online-Shop des Händlers bestellt werden können. 
  
... dann ist ja alles gut! Oder doch nicht?  
  
Es liest sich ein wenig wie „Wunsch und Wirklichkeit“, denn woher sollen die innovativen Check-Outs oder Virtual Reality-Anwendungen kommen, wenn die Bereitschaft, in solche Lösungen zu investieren, nur wenig vorhanden ist? Wie soll ein Geschäft zu einem Showroom werden, wenn heute noch nicht einmal die Hälfte der Händler ein Warenwirtschaftssystem hat?

 Vielleicht dachte so manche(r), die/der bei der Befragung mitgemacht hat, 2030 sei ja noch soooo lange hin und es bliebe noch genug Zeit dafür. Das ist faktisch vollkommen richtig, es sind noch über 12 Jahre bis dahin. Doch ein kurzer Blick auf die letzten zehn Jahre sollte jedem klar machen, dass dies im digitalen Raum geradezu "Jahrhunderten" entspricht. Kundenbedürfnisse, Technologien, Konkurrenten und digitale Giganten ... all dies werden wir in zwölf Jahren nicht wiedererkennen. Erinnern Sie sich noch an 2007? Da wurde in den USA das iPhone vorgestellt und Microsoft-CEO Steve Ballmer ließ verlauten: „There's no chance that the iPhone is going to get any significant market share. No chance.“

 

Zur Autorin: 
   
Nach über zehn Jahren als Strategieberaterin gründete Heike Scholz 2006 mobile zeitgeist und machte es zum führenden Online-Magazin für das Mobile Business im deutschsprachigen Raum. 2015 gründete die Diplom-Kauffrau gemeinsam mit Handelsexperten ZUKUNFT DES EINKAUFENS und begleitet heute mit diesem Portal die Digitalisierung des stationären Handels, der Markenindustrie und der lebendigen Innenstädte. Heike Scholz ist eine anerkannte und geschätzte Speakerin und gehört zu den Köpfen der deutschen Internet-Szene. Sie ist Beiratsmitglied für die Studiengänge Angewandte Informatik und Mobile Computing an der Hochschule Worms und darüber hinaus berät und trainiert sie Unternehmen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen.