15.07.26 – Stiftung Warentest

Einige Babytragen für Neugeborene ungeeignet

Babytragen gelten als Alltagslösung, die Nähe ermöglicht und zugleich die Hände freihält. Viele Hersteller versprechen Modelle „ab Geburt“, doch der aktuelle Test von Stiftung Warentest zeigt, wie trügerisch diese Zusage sein kann.

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Die „manduca XT“ (li.) und das Tragetuch „manduca Sling“ erhielten erfreuliche Ergebnisse im aktuellen Stiftung Warentest. © manduca

 
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Ergobaby’s „Omni Deluxe“ bringt auch größere Kinder in eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung und erhielt insgesamt die Note 2,4. © Ergobaby

 

Untersucht wurden 14 Tragesysteme, neun Vollschnallen-Tragen, drei Tücher und zwei Kombi-Modelle. Bewertet wurde in vier Hauptkategorien: kind- und elterngerechte Gestaltung, Handhabung, Sicherheit und Haltbarkeit sowie Schadstoffe. Mit 45 % floss die ergonomische Eignung für Baby und Trageperson am stärksten in das Gesamturteil ein. Entscheidend ist hier die Anhock-Spreiz-Haltung: Der Po sitzt tief, die Beine sind leicht gespreizt angezogen, der Steg stützt von Kniekehle zu Kniekehle, der Rücken bleibt rund. Nur wenn diese Kriterien erfüllt sind, wird die empfindliche Hüfte in den ersten Lebensmonaten entlastet und kann sich gesund entwickeln. Verschlechternde Abwertungsregeln sorgen zudem dafür, dass gravierende Mängel in Ergonomie, Sicherheit oder Chemie das Gesamturteil deckeln.

Acht gute Babytragen

Das Spektrum reicht von gut durchdachten, ergonomischen Systemen bis zu Produkten, die für Neugeborene klar ungeeignet sind. Acht Modelle erhielten das Qualitätsurteil „gut“, fünf „befriedigend“, eines fiel wegen Schadstoffen durch. Ergonomisch am überzeugendsten schneiden die drei getesteten Tragetücher ab. Vor allem das fest gewebte Didymos-Tuch ermöglicht eine sehr präzise Anpassung an das wachsende Kind und setzt Maßstäbe bei Sitzhaltung und Rückenstütze. Auch die Tücher von Hoppediz und Manduca erreichen ein gutes Testurteil. Bei den Vollschnallen-Tragen gelingt eine vergleichbar gute Positionierung nur wenigen Modellen: LennyLamb’s „Lennyupgrade Pro“, die „manduca XT“ und Ergobaby’s „Omni Deluxe“ bringen sowohl Neugeborene als auch größere Kinder in eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung und lassen sich auf unterschiedliche Tragepersonen einstellen.

Nicht alle ab Geburt geeignet

Daneben steht eine ganze Gruppe von Produkten, die das Versprechen „ab Geburt“ nicht einlösen. Bei der „Cudl Clik“ von Nuna hängen die Beinchen trotz Säuglingseinsatz zu stark herab, bei der Trage „Harmony“ von BabyBjörn und den günstigen Modellen von Infantino und Fillikid sind die Sitzstege so schmal, dass die Beine eher nach unten baumeln als abgestützt zu werden. Aus orthopädischer Sicht sind diese Tragen frühestens ab etwa sechs Monaten sinnvoll einsetzbar, wenn Kinder über ausreichende Kopf- und Rumpfstabilität verfügen. Am anderen Ende der Skala steht die teure „Cybex Coya“: Ein nicht verstellbarer, sehr breiter Steg zwingt Babys nahezu in eine Spagatposition, während der lockere Beutel den unteren Rücken nur unzureichend stützt. Preis und ergonomische Qualität korrelieren hier offensichtlich nicht.

Belastungen durch Chemikalien

Wie bei allen Baby- und Kinderprodukten hat Stiftung Warentest auch auf Schadstoffe geprüft: In der Fillikid-Trage wurden deutlich höhere PFAS-Gehalte gemessen, als EU-Vorgaben erlauben. Zwar sind die Stoffe so fest an das Gewebe gebunden, dass kein unmittelbares Risiko für das Kind zu erwarten ist, doch in die Umwelt gelangen sie allemal. Das führt konsequent zum Urteil „mangelhaft“. Sicherheitsrelevant ist zudem ein Detail bei einer Hoppediz-Trage: Kordelstopper ließen sich mit erheblichem Kraftaufwand abziehen und könnten verschluckt werden; das reicht für eine Abwertung im Sicherheitsurteil.

Schwächen in der Handhabung

Die getesteten Kombi-Tragen von Stokke und Boppy liegen insgesamt im guten Bereich. Sie verbinden Schnallen am Hüftgurt mit Tuch-Enden oder Trägern und lassen sich damit flexibel an verschieden große Tragepersonen anpassen. Einschränkungen ergeben sich vor allem bei sehr kleinen Neugeborenen: Ist das Rückenteil zu lang, „versinken“ sie förmlich in der Trage und sind nicht optimal belüftet. Im Alltagstest zeigten sich außerdem über alle Produktarten hinweg Schwächen in der Handhabung: hakelige Steckverschlüsse, ungünstig positionierte Schnallen und schwer verstellbare Gurte erschweren das Anlegen, insbesondere bei Rücken- und Hüftpositionen.