27.07.26 – Interview mit Kathy Weber
So gelingt respektvolle Kommunikation mit Kindern
Warum Verhalten kein Trotz ist, wieso Kinder klare Führung brauchen und wie Eltern Konflikte auf Augenhöhe lösen können: Kathy Weber gibt einen Einblick in die wichtigsten Prinzipien bedürfnisorientierter Kommunikation im Familienalltag.
Hey Baby: Eltern greifen im Alltag des Öfteren zu Drohungen oder Strafen. Was wäre der erste Schritt hin zu respektvoller Kommunikation?
Kathy: Für mich ist der erste Schritt die Haltung: „Mein Kind macht das nicht, um mich zu ärgern, sondern es will mich auf mindestens ein unerfülltes Bedürfnis aufmerksam machen. Es braucht meine Hilfe.“ Eltern sollen herausfinden, was ihr Kind ihnen mit seinem Verhalten sagen möchte, statt zu drohen oder zu bestrafen.
Hey Baby: Du sprichst davon, Konflikte „auf Augenhöhe“ zu lösen. Wie kann das gelingen, wenn ein Kind z.B. Absprachen ignoriert oder im Trotz ist?
Kathy: Ein Kind ignoriert niemanden und ist auch nicht „im Trotz“, sondern es kümmert sich mit seinem Verhalten um sich, weil es etwas braucht. Wenn du einen Konflikt auf Augenhöhe lösen möchtest, knie dich so hin, dass du mit deinen Augen auf Augenhöhe des Kindes bist. Anstatt es zu verurteilen und in sein Handeln Dinge hineinzuinterpretieren, gehe auf Augenhöhe und sei bereit herauszufinden, was dein Kind dir mit seinem Verhalten sagen will. Das dürfen wir lernen, denn wir wurden ja ganz anders behandelt.
Hey Baby: Was rätst du Müttern in akuten Stresssituationen – etwa, wenn ein Kind wütend Dinge wirft oder komplett überdreht ist?
Kathy: Wenn ein Kind Dinge wirft, dürfen die Eltern für den Schutz des Kindes, aller anderen, für ihren eigenen Schutz und auch dafür sorgen, dass alle Dinge heile bleiben. Dafür dürfen sie entsprechend handeln und z. B. die Hand festhalten, mit der gerade geworfen wird. Wenn ein Kind komplett überdreht ist, dürfen Eltern dafür sorgen, dass es wieder runterkommt. Braucht es Schutz, Grenzen, Entspannung, braucht es Hilfe, Dinge zu schaffen?
Hey Baby: Welche Rolle spielen Sprache und konkrete Formulierungen im Alltag?
Kathy: Sprache und konkrete Formulierungen spielen im Alltag eine unglaublich große Rolle, doch was ich noch viel, viel wichtiger finde, ist die Haltung, unsere Herzensbildung: Wie schauen wir auf Menschen, wie sehen wir Konflikte? Statt zu erwarten, dass alle nett und lieb miteinander sind, dürfen wir akzeptieren, dass Konflikte sein dürfen und dazugehören. Wichtig ist, dass sie auf Augenhöhe und in Verbindung gelöst werden und dass Eltern ihre eigene Verantwortung erkennen und leben.
Hey Baby: Was ist aus deiner Sicht der größte „Aha-Moment“ für Eltern, wenn sie beginnen, wirklich bedürfnisorientiert zu kommunizieren?
Kathy: Ich glaube, der größte Aha-Moment für Eltern ist, dass Kinder Führung brauchen, damit sie Liebe überhaupt wahrhaftig annehmen können, denn Führung schenkt unglaublich viel Sicherheit und nur, wenn ich weiß, dass ich sicher bin, kann Liebe ankommen. Das heißt, Eltern dürfen bei kleineren Kindern klare Ansagen machen: Statt zu fragen: „Ziehst du dir jetzt Jacke an?“ und „Gehen wir jetzt in die Kita?“, sagen sie: „Jetzt ziehen wir die Jacke an.“ und „Wir gehen jetzt in die Kita.” und helfen ihrem Kind dabei, das zu schaffen. Bedürfnisorientiert heißt, wirklich alle Bedürfnisse im Blick zu haben. Sicherheit wiederum bedeutet, dass Eltern ihre Kinder führen dürfen, ihnen zeigen, wo es lang geht. Die meisten von uns haben Führung allerdings als Machtmissbrauch durch Bestrafung und Belohnung erlebt. Führung neu zu lernen, fällt natürlich schwer, was ich nachvollziehen kann und aus eigener Erfahrung kenne. Umso dankbarer bin ich für alle Eltern, die bereit sind, dahin zu gucken und zu sagen: „Ich lasse mich an die Hand nehmen, ich will das lernen, ich will das ändern, und möchte wirklich bedingungslose Liebe leben.“ Und dafür braucht es eben auch die Elterliche Führung.



