18.03.26 – Aus nach 47 Jahren

Baby-Rose-Genossenschaft aufgelöst

Die Schweizer Einkaufsgenossenschaft Baby-Rose ist Geschichte: Nach fast fünf Jahrzehnten wurde die Organisation am 12. Januar 2026 aufgelöst. Das sind die Gründe.

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In Bubendorf bleibt das Baby-Rose-Geschäft bestehen. © Baby-Rose

 
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Mehr als 35 Jahre war Werner Felber Geschäftsführer und Präsident der Genossenschaft. © Baby-Rose

 

Wie Präsident Werner Felber in einem Schreiben an Geschäftspartner mitteilte, zwang ein Betrugsfall innerhalb der Organisation die Genossenschaft letztlich zur Aufgabe. Einzelne Fachgeschäfte wollen die Marke jedoch weiterführen.

Betrugsfall bringt Traditionsorganisation zu Fall

Die Marke Baby-Rose entstand ursprünglich in den 1970er-Jahren als Zusammenschluss unabhängiger Babyfachgeschäfte in der Schweiz. Der offizielle Neustart der Kollektivmarke erfolgte 1977. Ziel war es, Einkauf, Marketing und Dienstleistungen gemeinsam zu organisieren, während die Händler wirtschaftlich eigenständig blieben. Die angeschlossenen Läden standen vor allem für persönliche Beratung und ein kuratiertes Sortiment rund um Kinderwagen, Möbel und Babyausstattung.

Die Auflösung erfolgte nun auf einer außerordentlichen Generalversammlung Anfang 2026. Hintergrund ist ein Betrugskomplex, der laut Felber bereits 2023 seinen Anfang nahm. Der damalige Vizepräsident Pascal Froidevaux habe der Verwaltung einen angeblich interessierten Großinvestor präsentiert, der zentrale Assets wie Marke, Magazin und Website übernehmen wollte. „Wir alle wähnten uns fast im siebten Himmel“, beschreibt Felber rückblickend die Situation. „Leider wurden wir mit vielen Fake News, gefälschten Dokumenten, Verträgen und Unterschriften in die Irre geführt.“ Die Folgen waren gravierend: Projekte wurden gestoppt, Investitionen zurückgestellt und die erwartete Finanzierung blieb aus. So wurde etwa das Baby-Rose-Magazin 2024 zwar fertig produziert, jedoch nicht mehr gedruckt und verteilt, da die Umsetzung eigentlich vom vermeintlichen Investor übernommen werden sollte. Als sich dieser Ende 2024 endgültig zurückzog, stand die Genossenschaft laut Felber „vor dem Ruin“.

Strafanzeige und tragisches Ende

Im Juni 2025 reichte die Verwaltung Anzeige wegen Wirtschaftsdelikten gegen den ehemaligen Vizepräsidenten und mögliche Mitbeteiligte ein. Doch eine juristische Aufarbeitung wurde durch tragische Umstände erschwert: Der Beschuldigte nahm sich im Juli 2025 das Leben, seine Firma Visu’l AG wurde später als zahlungsunfähig eingestuft. Der finanzielle Schaden für die Genossenschaft belief sich laut Felber auf einen hohen sechsstelligen Betrag. „Damit war auch die Weiterführung nicht mehr möglich“, erklärt er. Immerhin konnten bis Ende 2025 sämtliche externen Gläubiger bedient werden. Anschließend beschlossen die Mitglieder die Auflösung der Organisation sowie die Hinterlegung der Bilanz. Die Übertragung der Zentralregulierung an die EK wurde im Frühling 2025 schnellstmöglich eingeleitet, um keine Dritt-Gläubiger zu schädigen.

Marke Baby-Rose bleibt teilweise erhalten

Ganz verschwinden wird der Name dennoch nicht: Mehrere Fachgeschäfte wollen die Marke weiterhin nutzen und gemeinsam als Interessengemeinschaft Baby-Rose auftreten. Zu den beteiligten Unternehmen zählen unter anderem Geschäfte in Bern-Ittigen, Bubendorf, Dietikon, Frick, Poschiavo, Stans und Thun. Damit bleibt zumindest ein Teil der ursprünglichen Idee erhalten: ein Netzwerk unabhängiger Babyfachgeschäfte mit gemeinsamer Marke und Einkaufsvorteilen.

Persönlicher Abschied nach drei Jahrzehnten

Für Präsident Werner Felber endet mit der Auflösung auch eine lange persönliche Ära. Mehr als 30 Jahre war er Geschäftsführer und Präsident der Genossenschaft. Sein Abschied fällt entsprechend emotional aus: „Ich hätte mir einen ruhmreicheren Abgang gewünscht – und nicht die Auflösung der Genossenschaft“, sagt Felber. Gleichzeitig appelliert er an Handelspartner und Lieferanten, die verbleibenden Fachgeschäfte weiterhin zu unterstützen. „Wir bitten Sie, diese Fachgeschäfte auch künftig als Ihre Fachhandelspartner in der Schweiz zu unterstützen.“