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26.04.16 – Aus dem aktuellen Heft

Alles unter einem Dach

Im mittelfränkischen Hinterland von Nürnberg und Erlangen treffen sich Schwangere und junge Mütter gern im „Zwergenland Hebammen- & Familienzentrum“. Dort ist viel geboten: ein Café, Kurse für Babys, Kinder und Erwachsene, Hebammen,  Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten. Mit dabei: Christine Wendls Shop-in-Shop „meinMutterglück“.

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 Am deutschen Markt eher unbekannt: Geburts-TENS-Geräte und „yoomi“-Fläschchen mit Wärmemodul. 

 
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Christine Wendl (li.) und Sandy Matthes – zwei mit derselben Zielgruppe.

 
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Seit nun zwei Jahren gibt es das „Zwergenland“ und seine Inhaberin Sandy Matthes hat bislang etwa 850 Schwangere dort begrüßt. „Ich bin selbst Mutter geworden und habe mit Babymassage-Kursen begonnen. Da ändert sich ja so viel.“ Die Kurse liefen gut und das Zentrum ist ein Erfolg, so dass Matthes bereits über ein Franchise-Modell in Nürnberg und Erlangen nachdenkt. In Eckental können Mütter im Second-Hand-Laden stöbern, in dem auch Spielzeug-Neuware angeboten wird. Oder sie sehen sich das kleine, aber feine Sortiment an, das Christine Wendl dort unter dem Label „meinMutterglück" vertreibt.
        
„Der Handel wird sich hin zu zielgruppenorientierten Fachgeschäften wandeln“

Insbesondere die Geburts-TENS-Geräte fallen hier ins Auge, denn sie sind in Deutschland (noch) eine Seltenheit. TENS steht für „Tanskutane elektrische Nervenstimulation“, eine schmerzlindernde Reizstromtherapie, die vor, während und nach der Geburt eingesetzt werden kann. Dabei werden die Nervenbahnen durch TENS-Impulse so beeinflusst, dass die Schmerzweiterleitung zum Gehirn vermindert wird. Auf der Haut spürt man nur ein leichtes Kribbeln.
   
„Meine erste Tochter ist in Australien geboren“, erzählt Christine Wendl. „Im Geburtsvorbereitungskurs habe ich die TENS-Geräte kennengelernt. Meine zweite Tochter habe ich dann in Deutschland zur Welt gebracht und habe festgestellt, dass TENS zwar bekannt ist, aber nicht der Einsatz in der Wehentherapie.“ Christine Wendl führte daraufhin Gespräche mit Herstellern, um das Medizinprodukt in Deutschland zu vertreiben und bekannter zu machen. Verhandeln mit internationalen Partnern und das Networking seien ihre Stärke, so die Wirtschaftsinformatikerin mit Marketingerfahrung und MBA-Studium, aus der die Ideen nur so sprudeln. „Wir probieren Geburts-TENS zunächst als Mietmodell aus. Dafür soll die Methode über Hebammenmessen positioniert werden. Ich werde nächstes Jahr wieder auf die ‚BabyZeit‘ gehen, außerdem im Mai auf einem fachmedizinischen Kongress in Hamburg einen Vortrag halten. Wir haben jetzt auch eine Facebook-Seite, wo ich zu Produkttests aufrufe. Der Handel wird sich hin zu zielgruppenorientierten Fachgeschäften wandeln. Als ich das erste Mal in einem Babyladen war, war ich total überfordert. Mütter wissen vieles nicht. Das ist paradox, denn bei den Produkten gibt es ein Überangebot. Der kleinere Fachhändler muss vom Produktverkauf in die Beratung gehen. Gerade bei beratungsintensiven Produkten wie bei Geburts-TENS.“
   
Christine Wendl achtet auf den Sortimentsmix bei ihrem „meinMutterglück“ Shop-in-Shop-Auftritt: „Das ist total wichtig. Ich muss auf den Umsatz schauen und habe mit mehreren Produkten die gleiche Zielgruppe. Damit kann ich auch eine bestimmte Marke effektiver aufbauen.“ Als weiteres Fokusthema befasse sie sich mit dem „Schlafen“ und vertreibt u. a. Schlafsäcke der australischen Marke „Bubbaroo“ in Deutschland. Parallel dazu werden im „Zwergenland“ Schlaf-Workshops gehalten. „Die Frauen gehen hier zur Schreiambulanz. In anderen Ländern gibt es eine Schlafberatung.“ 
   
 „Wenn jemand was kaufen will, ist immer jemand da“ 

Auch für die „yoomi-Flaschenwärmer“, die mit einem Wärmemodul und nach dem Prinzip eines Durchlauferhitzers funktionieren, hat Christine Wendl ein besonderes Konzept: „Ich habe etwas mit den Herstellern ausgehandelt, was ich dem Handel anbieten kann, um diesen Preiskampf nicht mitmachen zu müssen. Auch hier bieten wir dem Kunden nicht einen günstigeren Preis, sondern ein größeres Produktpaket an – also Mehrwert.“ Neben einer tragbaren Toilette für Kinder lässt Christine Wendl gerade ein veganes Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere in flüssiger Form testen. „Ich muss das Gefühl haben, ich stehe dahinter“, konstatiert sie. Auch die Handcreme für Mütter hat sie nach diesem Prinzip in Eigenregie designen und herstellen lassen.
    
Das „Zwergenland“ in Eckental bietet ihr zudem nicht nur die richtige Zielgruppe, sondern auch die Freiheit, nicht ständig selbst da sein zu müssen. „Wenn jemand was kaufen will, ist immer jemand da.“„meinMutterglück“-Produkte kann man nicht zuletzt auch im Online-Shop kaufen. „Ich habe eine Firma, die das macht, die kümmern sich auch um die Facebook-Betreuung und einen Blog. Ich habe das outgesourct. Ich kann nicht alles abdecken. Ich weiß, wo ich gut bin und ich weiß, was andere besser machen können“, betont Christine Wendl. „Social Media ist im Übrigen superwichtig. Das Marketing ist wichtig. 95 % der Mütter kaufen im Internet. Heute wollen sich die Kunden austauschen. Und es gibt so viele falsche Informationen. Wir müssen selbst den Input liefern.“