17.01.23 – Designgeschichten

Barbara Lorch und der Enfant Terrible-Wenderock

Ein Rock, zwei Designs: Mit dem Wenderock von Entfant Terrible kann man nach Lust und Laune die Seite wechseln. Geschäftsführerin und Designerin Barbara Lorch hat dabei einige Hürden gemeistert.

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Alle Stoffe, die für Enfant Terrible verwendet werden, entwirft die Geschäftsführerin und Designerin Barbara Lorch selbst. © Enfant Terrible

 
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Die Wenderöcke lassen sich dank ihrer unterschiedlichen Designs zu vielen Teilen kombinieren. © Enfant Terrible

 
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Wer kennt das Gefühl? Ohne einen ordentlichen Futterstoff unter einem Rock „klebt“ dieser unschön an Strumpfhosen. Barbara Lorch suchte jedoch vergebens nach GOTS zertifizierten Webstoffen für ihr Label Enfant Terrible. Deshalb kam der Diplomdesignerin mit langjährigem Einblick in die Modebranche während ihrer ersten Messe, der Innatex in Hofheim-Wallau, die Idee eines Wenderocks. „Der Rock ist so verarbeitet, dass man auf beiden Seiten einen gleich schönen Druck hat und je nach Lust und Laune die Seite wechseln kann; oder auch mal zwischendurch, wenn z. B. eine Seite einen Fleck abbekommt“, berichtet Barbara Lorch. Beide Seiten sind mit breitem Saum genäht und eine Seite ist drei cm kürzer, sodass die zweite Seite unten etwas vorschaut. Das ergibt zusätzlich einen schönen Effekt und dank Gummibund in der Taille sieht man auch keinen Reißverschluss von innen.

Ein Rock für Sommer und Winter

Die Entwicklung war aufgrund der strengen Vorgaben allerdings nicht einfach. „Generell war es unmöglich, in der Türkei schöne GOTS zertifizierte Webstoffe zu finden. Bei Jersey Stoffen ist die Auswahl groß, das war nie ein Problem. Doch auch der Versuch, Stoffe einer deutschen Firma in die Türkei zu schicken, war sehr aufwendig und endete mit vielen Besuchen bei der türkischen Botschaft, da der Zoll die Stoffballen aus völlig unklaren Gründen und trotz korrekter Papiere wochenlang beschlagnahmte“, erinnert sich Barbara Lorch. Seit Enfant Terrible groß genug ist, Webstoffe mit eigenem Design in Istanbul zu produzieren, hat sich dieses Problem zum Glück erledigt.

Wiederum kompliziert wurde es allerdings, als die Designerin für den Winter die Drucke auf einer kuschelig weich gebürsteten Flanellware anbieten wollte. „Es brauchte viele Versuche, eine schön angeraute Oberfläche zu bekommen, ohne den Druck zu zerstören oder Pilling zu erzeugen. Der Produzent wollte schon aufgeben, aber ich bin froh, hartnäckig geblieben zu sein“, fügt sie hinzu.

Ein Klassiker im Sortiment

Den ersten Prototyp trug vor vielen Jahren Barbara Lorchs Nichte im Kindergarten und war begeistert. Seitdem hat sich der Wenderock zum „Enfant Terrible-Klassiker“ entwickelt: „Natürlich sind wir nicht die einzige Firma, die Wenderöcke oder -kleider anbietet, aber es ist ein Artikel, der sich mit immer neuen Stoffdrucken durch alle Kollektionen zieht und wegen dem viele Kunden speziell bei uns kaufen“, so Lorch. Alle Stoffe entwirft die Designerin selbst und die gesamte Kleidung wird in Istanbul gefertigt. Vom Spinnen über das Stricken, Färben, Nähen bis zum Besticken und Applizieren findet alles in einem Unternehmen statt. Barbara Lorch ist regelmäßig in der Türkei vor Ort und vertreibt ihre Mode mittlerweile in rund 250 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie über Online-Shops und dem eigenen Webshop.