28.09.26 – Kids Act
Altersnachweis bei Social Media
Mit dem „Kids Act“ will die EU-Kommission künftig eine verlässliche Altersprüfung für neue Social-Media-Accounts etablieren. Eine repräsentative Befragung von YouGov und der Macromedia University of Applied Sciences zeigt nun erstmals, welche Formen des Identitäts- und Altersnachweises die Menschen in Deutschland dabei für angemessen halten.
Knapp jeder Zweite befürwortet eine Form der Verifizierung über die bloße Accountregistrierung hinaus. Besonders jüngere Erwachsene bevorzugen dabei einen Altersnachweis ohne Klarnamen. Die repräsentative Befragung von 2.120 Erwachsenen ergibt für Deutschland ein differenziertes Bild.
Für soziale Netzwerke wählen 49,6 % eine Form des Nachweises, die über die übliche ungeprüfte Accountregistrierung hinausgeht. Dabei liegen der Altersnachweis ohne Klarnamen mit 15,4 %, eine verifizierte Identität mit weiterhin möglichem Pseudonym mit 16,2 % und die immer wieder diskutierte Klarnamenpflicht mit 14,0 % erstaunlich nah beieinander. Eine Identifizierung über Gerät oder Zahlungsmittel halten 4,1 % für angemessen. Besonders deutlich unterscheiden sich die Altersgruppen: Bei den 18- bis 34-Jährigen halten 17,4 % einen Altersnachweis ohne Klarnamen für angemessen. Nur 6,3 % sind für eine Klarnamenpflicht bereit. Bei den 35- bis 54-Jährigen sind es 15,7 beziehungsweise 14,2 %. Ab 55 Jahren dreht sich das Verhältnis. Hier wählen 14,0 % den Altersnachweis und 17,8 % den Klarnamen.
„Der Kids Act setzt auf sichere Altersnachweise für soziale Netzwerke. Einen Altersnachweis oder eine andere Form zusätzlicher Prüfung hält in unserer Befragung rund jeder Zweite für angemessen. Eine eindeutige Mehrheit gibt es dafür aber nicht. Entscheidend ist deshalb, wie datensparsam solche Verfahren umgesetzt werden. Denn Identifizierung betrifft weit mehr als den Jugendschutz“, sagt Studienleiter Prof. Dr. René Arnold, Professor für Management an der Macromedia University of Applied Sciences.
Nicht nur der Jugendschutz zählt
Soziale Netzwerke sind längst ein zentraler Informationsraum. 66,7 % nutzen Social Media vor allem für Nachrichten und Unterhaltung. Unter den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar 72,6 %. Wer dort sprechen kann und wie sichtbar die eigene Identität dabei ist, ist deshalb keine technische Detailfrage. Die Befragten sehen die Spannung zwischen Anonymität und Verantwortlichkeit sehr deutlich. 76,8 % finden, dass Anonymität aggressives Verhalten im Netz begünstigt. 60,8 % stellen die Bekämpfung von Hassrede über Anonymität und 55,9 Prozent meinen, wer politische Inhalte veröffentlicht, sollte grundsätzlich identifizierbar sein. Gleichzeitig halten 47,9 % Anonymität für besonders wichtig für Menschen, die wegen persönlicher Eigenschaften oder Lebensweisen negative Reaktionen befürchten.
„Altersprüfung bei Social Media ist deshalb nur ein Teil einer größeren Frage. Wie viel Nachweis ist in welchem Teil des Netzes angemessen? Unsere Daten zeigen hier klare Unterschiede. Bei der allgemeinen Internetnutzung halten 28,6 Prozent einen weitergehenden Nachweis für angemessen, bei Social Media sind es 49,6 %. Genau dieser Vergleich zeigt, warum eine pauschale Lösung für das gesamte Netz zu kurz greift“, so Arnold.
Ein Netz, unterschiedliche Maßstäbe
Wie Social Media einzuordnen ist, zeigt erst der Vergleich mit anderen Diensten. Deshalb wurde dieselbe Frage zu angemessenen Formen der Identifizierung für elf unterschiedliche Online-Dienste gestellt. Bei Messenger Diensten halten 39,5 % eine der weitergehenden Nachweisformen für angemessen, bei öffentlichen Kommentarbereichen 42,0 % und bei Online-Marktplätzen 49,3 %. Pornografische Inhalte liegen mit 52,2 % noch etwas höher. Deutlich stärker sind die Anforderungen bei Online-Glücksspiel und Wetten mit 61,6 % sowie bei Finanzdienstleistungen wie Online-Banking mit 75,3 %. Der Befund reicht damit über die aktuelle Debatte um Altersgrenzen hinaus.
Viele Menschen halten zusätzliche Nachweise bei Social Media für angemessen. Sie unterscheiden aber deutlich danach, was geprüft wird, wie viele persönliche Daten sie dafür preisgeben müssen und wie sichtbar sie dadurch möglicherweise werden.



