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12.12.16 – baby&junior on tour

Hineingewachsen

Eigentlich hatte Astrid Weih eine Laufbahn als Juristin geplant, den Abschluss hatte sie schon in der Tasche. Dann kamen Mexiko und ihre erste Schwangerschaft dazwischen. So gründete sie ihren Laden – vor mittlerweile elf Jahren.

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Die Entwicklung des Geschäftes hat Astrid Weih quasi auf sich zukommen lassen.

 
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Kunden sollen sich im Naturkinderladen selbst zurechtfinden – daher sind Struktur und Ordnung das A und O.

 
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„Während meines Aufenthalts in Mexiko ist mir aufgefallen, wie ruhig die Babys dort waren. Hierzulande hört man immer irgendwo eines schreien, dort bekommt man fast nichts von ihnen mit“, erzählt die Geschäftsinhaberin. Und das, obwohl die Mütter ihre kleinen Schätze fast überall dabei haben – in farbenfrohen Tüchern, ganz nah am Mutterleib. Das machte die Weltenbummlerin neugierig und sie begann, sich über Tragetücher zu informieren. Nachdem sie sich durch die Geburt ihres Sohnes auch praktisch mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, beschloss die junge Mutter, einen kleinen Laden in der Weimarer Innenstadt zu eröffnen, der speziell diesem Produkt gewidmet sein sollte – so entstand im September 2005 „Tragefix – der Trageladen“
   
„Auf der Straße wurde ich sehr oft darauf angesprochen, dass ich meinen Sohn im Tuch bei mir hatte. Von älteren Leuten, die meinten, das sei rückenschädlich für das Kind, aber auch von Müttern, die begeistert waren und wissen wollten, wo man so etwas bekommt“, erzählt Astrid Weih. Mit der Geschäftsgründung wollte sie Skeptikern und Interessierten einen Zugang zu dem Produkt verschaffen, informieren und „die alteingesessene Meinung überholen“. Daher gab es von Anfang an auch die Möglichkeit für Kunden, die Tragehilfen auszuleihen und eine Zeitlang zu testen. Die Tätigkeit als Ladeninhaberin kam ihr indes sehr gelegen: „Ich wollte nach der Geburt nicht daheim herumsitzen. Aber ich wollte auch keine 50 Stunden im Büro verbringen, ohne die Möglichkeit, meine Kinder zu sehen.“

Sorgfalt und persönlicher Kontakt

Zu Anfang erweiterte Astrid Weih das Sortiment nur auf spezifische Kundenanfragen hin. Schließlich wollte sie den Laden nicht über das dritte Lebensjahr ihres Sohnes hinaus führen. Davon abgesehen waren die Mittel, in größeren Mengen zu bestellen, gar nicht vorhanden. „Damals hatten wir nichts – ich bekam Erziehungsgeld, die Regale bestanden aus Ziegeln und einfachen Brettern“, erinnert sich die zweifache Mutter an die Anfänge. Inzwischen sind elf Jahre vergangen, in denen sich enorm viel entwickelt hat: Nach dem Umzug in größere Räumlichkeiten folgte im März 2009 die Umbenennung in „Naturkinderladen“ – ein Name, der das über die Jahre gewachsene Sortiment besser repräsentiert. 
   
Hauptsächlich verkauft Astrid Weih heute Kleidung, die etwa 80 % des Umsatzes ausmacht. Daneben gibt es Gummistiefel aus Naturkautschuk und Hausschuhe, Decken u. a. sowie vor allem Spielzeug, das fast ausschließlich aus Holz besteht. Außerdem bietet der Naturkinderladen Ausstattung rund ums Stillen und Wickeln mit Stoffwindeln an; eine kleine Leihbibliothek gibt zusätzlich Informationen zu Themen des Ladens oder solchen, die der Besitzerin am Herzen liegen. 
   
Das Produkt, mit dem alles anfing, ist durch die Vielfalt etwas in den Hintergrund gerückt – dennoch ist das Angebot an Tragetüchern insgesamt auch größer geworden, wobei sich eine Verschiebung in Richtung der Tragehilfe bemerkbar macht. Als Neuerung und Anpassung an den DIY-Trend der letzten Jahre gibt es inzwischen „rohen“ Stoff, da immer mehr Mütter sich selbst an die Nähmaschine setzen, um ihren Nachwuchs einzukleiden. 
   
Nicht zuletzt aufgrund des immensen Marktes betreibt Astrid Weih eine sorgfältige Vorauswahl. Dass die Hersteller im Einklang mit Natur und Menschheit produzieren, ist ihr das wichtigste Kriterium. Im Laden möchte sie ausschließlich Produkte ökologischen Ursprungs und aus europäischer, am besten deutscher Herstellung ohne Kinderarbeit und Billiglöhne anbieten. Außerdem schätzt sie Transparenz und einen persönlichen Kontakt zu ihren Lieferanten, um den sie sich auf Messen wie der Innatex bemüht – „im Öko-Bereich ist man da aber auch viel schneller im direkten Kontakt und bekommt tiefe Einblicke in die Herstellung. Auch das Konkurrenzdenken ist nicht so ausgeprägt, denn man steht gemeinsam für eine Sache“, so ihre Erfahrung. 
  
Nicht nur die Hersteller, sondern auch die Artikel selber nimmt die 42-Jährige genau unter die Lupe: „Ich kaufe nur ein, was mir sehr, sehr gut gefällt.“ Große Mengen auf Vorrat kommen ihr dabei nicht in die Tüte, auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit. Zu den Marken, mit denen sie gerne zusammenarbeitet, zählen Nanga, loud + proud, Hirsch Natur und die deutschen Wollhersteller Disana, Cosilana oder Engel.

Struktur und Offenheit

„Hin und wieder fragen Leute nach Festtagskleidung für Kinder“, erzählt die Ladenbetreiberin. Danach sucht man in der Windischenstraße aber vergebens: „Bei uns findet man das, was man im Alltag und draußen wirklich braucht.“ Zwischen lässig, verspielt und neutral bewegt sich der Stil bei der angebotenen Kleidung. Entsprechend stammen auch die Kunden meist aus der Mittelschicht, die ökologisch bewusst lebt. „Wir haben aber eigentlich keine beschränkte Zielgruppe“, erklärt Astrid Weih – sie möchte offen für alle sein. Inzwischen gibt es viele Stammkunden, aber auch Touristen kommen immer mal wieder in den Naturkinderladen. 
  
Egal, aus welcher gesellschaftlichen Umgebung, einen guten Überblick hat jeder schnell, der das Geschäft betritt. Denn die Inhaberin setzt auf Struktur und Ordnung, die Farben sind passend sortiert, die Größen und Bereiche übersichtlich präsentiert und beschildert. Dekorative Elemente sind stark reduziert, von POS-Materialien ist die Inhaberin kein Fan. Stattdessen ist die Ladenausstattung größtenteils selbst gebaut und an den Bedarf angepasst. Das stimmt auch in Bezug auf den Umsatz mit dem Konzept überein: „Es hat sich auf einen gewissen Gewinn eingespielt, mit dem man rechnen kann und der den Verbrauch deckt. Mehr brauchen wir eigentlich nicht“, findet die zweifache Mutter. Inzwischen gibt es sogar einen Online-Shop, wo man alle im Laden vorrätigen Artikel bestellen kann. Und auch auf Facebook hat der Naturkinderladen einen Auftritt. Der virtuelle Bereich sei zwar „nicht ihr Lieblingshobby“, jedoch sehe sie den praktischen Nutzen durchaus; man könne aber theoretisch noch mehr rausholen, gesteht Astrid Weih ein. 
   
Für die Zukunft gibt es keine besonderen Pläne, es drängt sich aber auch nichts auf. Die Anlaufphase ist vorbei, alles hat sich eingependelt, „jetzt ist höchstens etwas Feinschliff dran“.